Was sind Magerungsmittel in Fliesen und Tonmassen?

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Thomas Bratzke

Inhaber Fliesenfachbetrieb
Thomas Bratzke - Fliesenwünsche

Inhaltsverzeichnis

Magerungsmittel sind mineralische Füllstoffe wie Quarzsand, gemahlener Quarz, Schamotte oder Kalksteinmehl. In der Keramik werden sie Tonmassen zugesetzt, um Plastizität und Schwinden zu reduzieren und die Formstabilität beim Trocknen und Brennen zu erhöhen. In Bauprodukten für Fliesen – etwa Fliesenklebern, Estrichen und Fugenmörteln – steuern Magerungsmittel Kornstruktur, Verarbeitbarkeit, Schichtstabilität, Schrumpfverhalten und Festigkeit.

Hinweis zur Terminologie

Im Fliesenhandwerk ist der Begriff „Magerungsmittel“ funktional mit mineralischen Füllstoffen bzw. Gesteinskörnungen gleichzusetzen. In keramischen Rohmassen wird „Magerung“ klassisch mit Quarz und Schamotte beschrieben; bei Klebern/Fugen steht die normkonforme Rezepturführung im Vordergrund.

Wie wirken Magerungsmittel in der Keramik- und Fliesenherstellung?

Magerungsmittel senken das Trocknungs- und Brennschwinden plastischer Tonmassen, reduzieren Rissrisiken und sorgen für maßhaltige, plane Rohlinge. Typische Zusätze sind Quarz (fein bis grob) und Schamotte (vorgebrannter, gemahlener Ton), die die Porosität und Temperaturwechselbeständigkeit beeinflussen. Dadurch entstehen Rohlinge mit geringerer Verzugneigung, was die Grundlage für passgenaue Fliesen ist.

Das Wirkprinzip ist in der Fachliteratur zur Keramik beschrieben: Quarz und Schamotte „magern ab“, verringern die Schwindung und verbessern die Formstabilität.

Keramische Magerungsmittel: Schwindungs- und Risskontrolle

  • Quarz als Magerer
    Senkt Trocknungs- und Brennschwund, erhöht Maßhaltigkeit; mindert jedoch die Plastizität der Tonmasse.
  • Schamotte (Grog)
    Vorgebrannter, gemahlener Ton; erhöht Porosität, reduziert Schwund und Verzug, begünstigt spannungsarme Rohlinge.
  • Kalksteinmehl/andere inerte Füller
    Stützen die Formstabilität im Trocknungsprozess und beeinflussen Dichte und Textur der Scherben.

Vertiefende Definitionen und Wirkzusammenhänge liefert der Eintrag „Magerungsmittel“ aus dem Chemie-Lexikon, der Quarz und Schamotte als klassische Magerer der Keramik einordnet.

Vergleichsgrafik zur Wirkung von Magerungsmitteln in der Keramik: links ohne Magerungsmittel mit Rissen und starker Schwindung, rechts mit Magerungsmittel glatte Oberfläche und geringere Schwindung.
Vergleichsgrafik zur Wirkung von Magerungsmitteln in der Keramik: links ohne Magerungsmittel mit Rissen und starker Schwindung, rechts mit Magerungsmittel glatte Oberfläche und geringere Schwindung.

Welche Funktion übernehmen Magerungsmittel in Fliesenklebern?

In zementären Fliesenklebern bilden Magerungsmittel den mineralischen Füllstoffanteil und stellen die Kornstruktur (Kornkurve) ein. So werden Schichtstabilität, Standfestigkeit, Benetzungsverhalten und die Schrumpfung beim Erhärten gezielt beeinflusst.

Die Leistungsanforderungen und Klassifizierung solcher Kleber (z. B. C1/C2, T, E, F, S1/S2) sind in der DIN EN 12004‑1 geregelt; Prüfmethoden nennt DIN EN 12004‑2. Diese Normen schaffen die Grundlage, um Füllstoffsysteme und Kleberrezepturen objektbezogen auszuwählen.

Praxisnutzen der Magerung im Kleber

  • Geringere Kleberschrumpfung
    Ein wohldosierter Füllstoffanteil begrenzt Trocknungsschwund und minimiert Spannungen unter der Fliese.
  • Stabile Zahnkämme und Standfestigkeit
    Abgestimmte Kornverteilung hält das Kammprofil offen und verhindert das „Wegfließen“ des Betts.
  • Ergiebigkeit und Verarbeitung
    Leichtfüllstoffe und feine Mehle verbessern Geschmeidigkeit, Benetzung und Flächenleistung.

Wofür dienen Magerungsmittel in Fugenmörteln?

In zementären Fugenmörteln begrenzen Magerungsmittel den Trocknungsschwund, reduzieren Rissneigung und tragen zur abriebfesten, dicht gefüllten Fuge bei.

Anforderungen, Klassifizierung und Kennzeichnung (z. B. CG1/CG2 sowie zusätzliche Eigenschaften) sind in der DIN EN 13888‑1:2022 festgelegt; die zugehörigen Prüfverfahren enthält DIN EN 13888‑2:2022.

Dadurch lässt sich der Fugenmörtel für Beanspruchung, Fugenbreite und Fliesenart normgerecht auswählen.

Fugenqualität im Blick: Magerung richtig nutzen

  • Shrinkage-Management
    Feine Füllstoffe (z. B. Kalksteinmehl) glätten die Matrix, grobere Quarze begrenzen Schwinden und stabilisieren die Fuge.
  • Abrieb- und Wasseraufnahme
    Abgestimmte Füller steigern Abriebbeständigkeit und unterstützen reduzierte Wasseraufnahme gemäß CG‑Klassen.
Vergleichsgrafik zu Magerungsmitteln im Fugenmörtel: links ohne Füllstoffe mit Mikrorissen, rechts mit Magerung dicht gefüllt und stabil.
Vergleichsgrafik zu Magerungsmitteln im Fugenmörtel: links ohne Füllstoffe mit Mikrorissen, rechts mit Magerung dicht gefüllt und stabil.

Welche Rolle spielen Magerungsmittel in Estrichen und Putzen als Fliesenuntergrund?

Estriche und Putzmörtel bestehen aus Bindemittel, Gesteinskörnung/Füllern, Wasser und ggf. Zusätzen. Die Gesteinskörnung ist funktional das „Magerungsmittel“: Sie bestimmt Schwindmaß, Rohdichte und Formstabilität. Für Estriche sind Anforderungen in der DIN 18560‑1:2021 beschrieben; Estrichmörtel und -massen selbst werden über DIN EN 13813 klassifiziert.

Eine passende Kornzusammensetzung fördert ebenflächige, tragfähige Untergründe – essenziell für dauerhafte Fliesenbeläge.

Untergründe fliesenbereit machen

  • Dimensionsstabilität
    Richtig „gemagerte“ Estriche schüsseln weniger und bieten ein verformungsarmes Lager für keramische Beläge.
  • Gleichmäßiges Abbinden
    Die abgestimmte Sieblinie erleichtert eine homogene Feuchteabgabe – Grundlage für Belegreife und Haftzugwerte.

Welche Arten von Magerungsmitteln werden wofür im Fliesenbereich eingesetzt?

Je nach Produkt und Anwendung differieren Art, Korngröße und Anteil der Füllstoffe. In Klebern dominieren Quarzmehle/-sande und Leichtfüllstoffe; in Fugenmörteln feine Mehle mit zusätzlicher Quarzfraktion; in keramischen Rohmassen Quarz und Schamotte. Die Auswahl richtet sich nach Fliesenformat, Untergrund, Schichtdicke und geforderter Leistungsklasse gemäß DIN EN 12004‑1 oder DIN EN 13888‑1.

Beispiele für Füllstofffunktionen

  • Hochfeine Mehle
    Optimieren Glätte, Verdichtung und Fugendichte; fördern gleichmäßiges Abbinden und saubere Oberflächen.
  • Grobe Quarzfraktionen
    Stützen Kammprofile, erhöhen Standfestigkeit und helfen, Trocknungsschwund zu begrenzen.
  • Leichtfüllstoffe
    Steigern Ergiebigkeit und Verarbeitungsfreundlichkeit, besonders bei großformatigen Fliesen.

Welche Alternativen oder Ergänzungen zu Magerungsmitteln sind sinnvoll?

Polymermodifizierung durch Dispersionspulver oder Dispersionen erhöht Flexibilität, Haftung und Dauerhaftigkeit von Klebern und Fugen – sie ersetzt die Funktion der Magerung jedoch nicht, sondern ergänzt sie. Polymere können zudem Verformbarkeit und Schrumpfverhalten verbessern und die Wasseraufnahme in Fugen reduzieren. Herstellerinformationen zeigen diese Effekte praxisnah, z. B. zur Flexibilisierung zementärer Systeme: Polymere Bindemittel für Fliesenkleber und Fugenmörtel.

Kombination aus Magerung und Polymertechnik

  • Best of both worlds
    Füllstoffe steuern Kornstruktur und Schrumpf; Polymere liefern Flexibilität, Haftung und Wasserabweisung.
  • Format- und Untergrundgerecht
    Für großformatige, dichte Fliesen oder kritische Untergründe Kleber nach DIN EN 12004‑1 mit S1/S2-Einstufung wählen.

Welche Hinweise gelten für den Umgang mit Magerungsmitteln auf der Baustelle?

Magerungsgrad und Additivierung moderner Werktrockenmörtel sind werkseitig exakt aufeinander abgestimmt. Zusätzliche Baustellenzugaben (etwa „mit Sand strecken“) verändern Bindemittel‑, Füllstoff‑ und Additivverhältnis und gefährden Normleistung, Haftzug und Dauerhaftigkeit. Nutzen Sie ausschließlich Produkte entsprechend ihrer DIN EN 12004– und DIN EN 13888-Einstufung und verarbeiten Sie sie gemäß Herstellerangaben.

Grafik mit Normen-Überblick zu Magerungsmitteln im Fliesenhandwerk, inklusive DIN EN 12004 für Kleber, DIN EN 13888 für Fugen und DIN 18560 für Estriche.
Grafik mit Normen-Überblick zu Magerungsmitteln im Fliesenhandwerk, inklusive DIN EN 12004 für Kleber, DIN EN 13888 für Fugen und DIN 18560 für Estriche.

Checkliste für Fliesenleger

  • Kleberwahl nach Normklasse
    Belastung, Fliesenformat und Untergrund prüfen; Produkte nach DIN EN 12004‑1 auswählen.
  • Fuge normgerecht
    Fugenmörtel nach DIN EN 13888‑1 wählen; Fugenbreite und -tiefe beachten.
  • Untergrund stabil
    Estrich und Putz gemäß DIN 18560‑1 beurteilen; Ebenheit, Festigkeit und Belegreife sichern.
  • Keine Fremdzugaben
    Werktrockenmörtel ausschließlich mit der vorgegebenen Wassermenge anmischen; Rezepturen nicht verändern.