Fayence bezeichnet glasierte Erzeugnisse aus Steingut, also porösem Irdengut, das mit einer weiß deckenden oder farbigen Zinnglasur überzogen und oft bemalt ist. Der Begriff leitet sich von der norditalienischen Stadt Faenza ab und umfasst historisch sowohl Geschirr als auch dekorative Fliesen. Mehr zur Definition und Namensherkunft.
Fayence: Zinnglasur auf porösem Steingut (BIII nach EN 14411)
Als Fliesenmaterial entspricht Fayence technisch einem glasierten Steingutkörper mit hoher Wasseraufnahme. In der Fliesennorm EN 14411 werden solche Wandfliesen der Gruppe BIII zugeordnet, die typischerweise nicht frostbeständig sind und innen an der Wand eingesetzt werden.
Wie wird Fayence hergestellt?
Fayence entsteht aus tonhaltigen Rohstoffen, die zunächst geformt und bei etwa 800 bis 900 °C geschrüht werden. Anschließend wird eine weiß opake Zinnglasur aufgetragen und im zweiten Brand bei ungefähr 900 bis 1.050 °C aufgeschmolzen, woraufhin Dekore leuchtend hervortreten. Diese Zweibrandtechnik ist typisch für die traditionelle Fayencefertigung.
Herstellungsdetails von Fayence: Schrühbrand, Zinnglasur, Garbrand
Die Zinnglasur deckt den meist rötlichen oder ockerfarbenen Scherben weiß ab und bildet die Malfläche für Kobaltblau, Kupfergrün, Antimongelb, Manganviolett und Schwarz. Dadurch entsteht die typische Optik vieler historischer Fayencen. Material und Dekorfarben.
Wofür eignen sich Fayence-Fliesen im Fliesenleger-Handwerk?
Aufgrund der hohen Wasseraufnahme des Steingutkörpers werden Fayencefliesen vor allem als glasierte Wandfliesen im Innenbereich eingesetzt, zum Beispiel in Bädern, Küchen oder als Akzentflächen. Für Außenbereiche und dauerhaft nasse Zonen sind sie wegen fehlender Frostbeständigkeit nicht geeignet.
Fayence-Fliesen: Vorteile, Grenzen und typische Anwendungen
- Dekorative Wandgestaltung
Reiche Farben und Motive ermöglichen hochwertige Akzentflächen, Nischen und Badrückwände. - Innenbereich geeignet
Als Steingut-Wandfliese (BIII) ideal für trockene und normal feuchte Räume. Nicht für Frost und Außenbereiche. Herstellerhinweis. - Gute Bearbeitbarkeit
Steingut lässt sich schneiden und bohren, was die Montage von Armaturen und Accessoires erleichtert. Eigenschaften Steingut. - Begrenzte mechanische Belastung
Für Bodenflächen nur in gering beanspruchten Bereichen geeignet, da der Scherben porös ist. Hinweis Steingut-Boden. - Pflegeleicht glasierte Oberfläche
Glasuren sind reinigungsfreundlich, grundsätzlich pH-neutrale Reiniger verwenden. Reinigungstipps.
Worin unterscheiden sich Fayence, Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug?
Fayencefliesen gehören materialtechnisch zum Steingut und sind damit hochsaugfähig. Steinzeug weist eine deutlich geringere Wasseraufnahme auf, Feinsteinzeug liegt bei ≤ 0,5 Prozent. Diese Einteilung nach EN 14411 bestimmt unter anderem Einsatzbereiche und Frostbeständigkeit.
Abgrenzung: Fayence, Majolika und ägyptische Fayence
Majolika bezeichnet in Italien eine technisch identische, zinnglasierte Tonware. Davon klar zu trennen ist die sogenannte ägyptische Fayence, ein silikatisches, tonfreies Sinterquarz-Material aus der Antike, das keine Zinnglasurkeramik ist. Begriff und Abgrenzung.
Wie werden Fayence-Fliesen fachgerecht verlegt und gepflegt?
Für die Verlegung an Innenwänden kommen zementäre Dünnbettmörtel nach DIN EN 12004 (Klassen C1 oder C2, optional T, E, S1) zum Einsatz. Die Auswahl erfolgt nach Untergrund, Format und Beanspruchung. Hersteller und Normeninfos geben Orientierung zu Haftzugwerten und Zusatzkennzeichen. Überblick Kleberklassen, Normeninfo DIN EN 12004.
Normen: EN 14411 für Steingut und DIN EN 12004 für Fliesenkleber
Steingut-Wandfliesen der Gruppe BIII (EN 14411) haben E > 10 Prozent Wasseraufnahme und sind daher nicht frostfest. Für Wandflächen im Innenraum werden entsprechend geprüfte Kleber nach DIN EN 12004 verwendet. EN 14411 Gruppen, Hinweis Steingut BIII.
Pflege: Reinigung von glasierten Steingutfliesen und Craquelé
Glasierte Fayenceflächen sind pflegeleicht. Für die Unterhaltsreinigung genügen Wasser und pH-neutrale Reiniger, säurehaltige Mittel sparsam und mit Vorsicht an Fugen einsetzen. Bei dekorativen Glasuren kann es zu Craquelé kommen, feinen Glasurrissen, die herstellerseitig als Effekt gekennzeichnet sein können. Reinigungsempfehlungen, Definition Glasurrisse.
Welche historischen Beispiele für Fayence-Fliesen gibt es?
Berühmt sind die Delfter Fayencen, blau-weiße, zinnglasierte Tonfliesen, die im 17. und 18. Jahrhundert als Kamin- und Wandbekleidungen in Nordeuropa verbreitet waren. Sie zeigen Genreszenen, Landschaften und Ornamente und prägten die europäische Fliesenkultur. Brockhaus: Delfter Fayencen, Hintergrund zu Delfter Fliesen.
Beispiele: Delfter Fayence und historische Kachelwände
Neben Delft existierten zahlreiche Produktionszentren in den Niederlanden und Deutschland. Viele historische Interieurs zeigen Fayencefliesen im Format um 13 × 13 cm als seriell bemalte Wandflächen.