Als unglasiert werden keramische Fliesen bezeichnet, deren Oberfläche ohne Glasurschicht auskommt. Die sicht- und begehbare Seite ist somit der naturbelassene oder nachträglich bearbeitete keramische Scherben. In der europäischen Produktnorm werden Fliesen grundsätzlich als glasiert (GL) oder unglasiert (UGL) klassifiziert. DIN EN 14411.
Wie werden unglasierte Fliesen hergestellt?
Unglasierte Fliesen entstehen wie glasierte Fliesen durch Pressen oder Strangpressen und anschließendes Brennen. Der Unterschied: Es wird keine Glasur aufgetragen. Häufig sind unglasierte Produkte Feinsteinzeug der Gruppe BIa mit sehr geringer Wasseraufnahme bis 0,5 Prozent oder stranggepresste Klinker und Spaltplatten. Technische Gruppenübersicht.
Trocken gepresstes Feinsteinzeug BIa
Feinsteinzeug wird unter sehr hohem Druck gepresst und bei hohen Temperaturen dicht gesintert. Die Norm ordnet BIa Fliesen einer Wasseraufnahme bis 0,5 Prozent zu, was sie frostbeständig macht und für Innen und Außen prädestiniert. Feinsteinzeug • EN 14411.
Stranggepresste Klinker und Spaltplatten
Unglasierte Spaltplatten und Klinker werden häufig für robuste, rutschhemmende Außenbeläge eingesetzt und erreichen je nach Oberfläche R11 bis R12 sowie zusätzliche Barfußklassifizierungen. Beispielprodukte weisen R11/B aus und sind frostbeständig. Beispiel Spaltplatte R11/B.
Welche optischen Merkmale haben unglasierte Fliesen?
Ohne Glasur bleibt die natürliche Farbwirkung des Scherbens sichtbar. Viele unglasierte Feinsteinzeugfliesen sind durchgefärbt, wodurch kleine Gebrauchsspuren weniger auffallen. Die Oberfläche kann natur, matt, strukturiert, geschliffen oder poliert ausgeführt sein.
Durchgefärbter Scherben und natürliche Struktur
Bei durchgefärbten Qualitäten zieht sich die Farbe oder Körnung durch den gesamten Körper. Das erzeugt eine authentische, mineralische Optik und macht Kanten oder Fasen unauffällig.
Oberflächen: natur, matt, geschliffen, poliert
Werkseitig matte oder strukturierte Oberflächen wirken dezent und sind je nach Profilierung trittsicher. Polieren ist eine mechanische Bearbeitung des unglasierten Feinsteinzeugs und keine Glasur. Beim Polieren wird die dichte Brennhaut teilweise geöffnet, was die Fleckempfindlichkeit erhöht. Hinweise zu poliertem Feinsteinzeug.
Welche Eigenschaften haben unglasierte Fliesen?
Unverglaste Oberflächen punkten bei Verschleiß und können sehr rutschhemmend ausgeführt werden. Gleichzeitig fehlt die schützende Glasurschicht, weshalb die Fleckbeständigkeit stärker von der Oberflächenbearbeitung und dem Porenbild abhängt. Normen und Prüfungen ordnen die wichtigsten Leistungsmerkmale zu.
Abriebfestigkeit und tiefer Abrieb
Bei unglasierten Fliesen wird die Verschleißfestigkeit über den tiefen Abrieb nach ISO 10545‑6 ermittelt. Für BIa-Feinsteinzeug sind niedrige Abriebvolumina gefordert und Hersteller deklarieren oft Werte bis 175 mm³. ISO 10545‑6.
Rutschhemmung nach DIN 51130 und DIN 51097
Die Trittsicherheit in Arbeits- und Verkehrsbereichen wird mit R-Klassen nach DIN 51130 bewertet, typischerweise R9 bis R13. Für Barfußbereiche gilt DIN 51097 mit den Klassen A bis C. R-Klassen erklärt.
Fleckempfindlichkeit und Fleckwiderstand
Die Beständigkeit gegen Flecken wird nach ISO 10545‑14 geprüft. Unglasierte, insbesondere polierte Oberflächen können empfindlicher reagieren und profitieren von einer passenden Imprägnierung. ISO 10545‑14 • Pflegehinweise.
Frostbeständigkeit und Wasseraufnahme
Feinsteinzeug der Gruppe BIa mit Wasseraufnahme bis 0,5 Prozent ist frostbeständig und für Außenbereiche geeignet. Gruppen nach EN 14411.
Wie werden unglasierte Fliesen gereinigt und geschützt?
Die richtige Pflege beginnt mit der fachgerechten Bauendreinigung. Für unglasierte und besonders für polierte Oberflächen wird häufig eine Imprägnierung empfohlen, um Fleckenaufnahme zu mindern und die Unterhaltsreinigung zu erleichtern. Unterhaltspflege erfolgt in der Regel mit neutralen Reinigern ohne filmbildende Zusätze. Deutsche Fliese • Fliesen und Platten.
- Bauendreinigung vom Profi
Nach dem Verfugen Zementschleier mit geeigneten Reinigern entfernen und gründlich klarspülen, damit die Trittsicherheit erhalten bleibt. Hinweise lesen. - Imprägnierung gezielt einsetzen
Für unglasierte, vor allem polierte Feinsteinzeugflächen empfiehlt sich eine Imprägnierung direkt nach der Erstreinigung. Sie reduziert Fleckempfindlichkeit, ohne eine Schicht zu bilden. Empfehlung • Hintergrund. - Unterhaltsreinigung
Mit pH‑neutralem Reiniger wischen und filmbildende Produkte vermeiden, da sie die Rutschhemmung beeinträchtigen können. Verbandsinfo. - Produktverträglichkeit prüfen
Spezialprodukte stets herstellerseitig freigeben lassen und vorab an unauffälliger Stelle testen. Beispiel: Imprägnate für unglasiertes Feinsteinzeug. Beispielprodukt.
Wo werden unglasierte Fliesen eingesetzt?
Immer dort, wo Rutschhemmung und Robustheit wichtiger sind als maximale Dekorvielfalt, spielen unglasierte Fliesen ihre Stärken aus: Eingänge, Treppenhäuser, Küchen in Gewerbeobjekten, Außenflächen wie Terrassen oder öffentliche Verkehrsflächen. Für Barfuß- und Arbeitsbereiche sind die passenden Klassen nach DIN 51097 bzw. DIN 51130 zu wählen. Beispiele aus dem Handel zeigen unglasierte Spaltplatten mit R11/B für den Außenbereich. Rutschklassen • Spaltplatte R11/B.
Worin unterscheiden sich unglasierte und glasierte Fliesen?
Unglasierte Fliesen besitzen keine deckende Nutzschicht. Der Scherben ist durchgehend farbig und bei Beanspruchung wird kein Dekor abgetragen. Glasierte Fliesen haben eine aufgeschmolzene Glasurschicht, die Farbeffekte erlaubt und die Reinigung erleichtert, jedoch bei extremer mechanischer Belastung sichtbar verschleißen kann. GL vs UGL in EN 14411.
Schutzschicht gegenüber durchgehendem Scherben
Glasuren erhöhen Fleck- und Chemikalienbeständigkeit, unglasierte durchgefärbte Beläge punkten bei tiefer Abriebfestigkeit. Auswahl nach Nutzung und Pflegekonzept treffen. Pflegeleitfaden • ISO 10545‑6 • ISO 10545‑14.
Poliertes Feinsteinzeug ist nicht glasiert
Polieren verändert die unglasierte Oberfläche mechanisch und kann Mikroporen öffnen. Daher ist poliertes Feinsteinzeug empfindlicher für Flecken und sollte, anders als glasierte Oberflächen, oft imprägniert werden. Technischer Hinweis • Verbandsratgeber.