Steingutfliesen sind keramische Wandfliesen mit hoher Porosität und einer Wasseraufnahme von über 10 Prozent. In der europäischen Produktnorm DIN EN 14411 werden sie der Gruppe BIII zugeordnet und in der Praxis nahezu immer glasiert eingesetzt. Aufgrund der hohen Wasseraufnahme gelten sie als nicht frostbeständig und sind für den Innenbereich konzipiert.
Wofür eignen sich Steingutfliesen im Innenbereich?
Steingutfliesen punkten mit leichter Bearbeitbarkeit, großer Dekorvielfalt und pflegeleichten Glasuroberflächen. Sie werden bevorzugt als Wandbelag in Küchen, Bädern, Gäste-WCs, Fluren und Hauswirtschaftsräumen genutzt. Für Außenbereiche und stark beanspruchte Böden sind sie nicht geeignet.
Technische Eigenschaften und Normen von Steingutfliesen
Die Einordnung erfolgt nach DIN EN 14411 anhand der Wasseraufnahme E. Steingutfliesen als trockengepresste Keramik der Gruppe BIII besitzen E > 10 Prozent. Prüfmethoden zu Maßen, Oberflächen und weiteren Produkteigenschaften sind in der Normenreihe DIN EN ISO 10545 geregelt.
Vorteile und Grenzen von Steingutfliesen
Für die Materialwahl sind die Stärken und Grenzen entscheidend.
- Vielseitige Gestaltung
Die Glasur ermöglicht zahlreiche Farben, Formate und Dekore für individuelle Wandgestaltungen im Innenraum. - Einfache Bearbeitung
Das Material lässt sich gut schneiden und bohren, was Anpassungen an Steckdosen, Armaturen oder Nischen erleichtert. - Pflegeleichte Oberfläche
Glasuren sind wasserabweisend und unempfindlich gegenüber haushaltsüblichen Reinigern ohne Flusssäure. - Nur für Innenwände
Nicht frostbeständig und mechanisch weniger belastbar, daher nicht für Außenbereiche oder stark beanspruchte Böden geeignet.
Die Punkte zur Bearbeitbarkeit, Dekorvielfalt und Einsatzgrenze ergeben sich aus der Materialstruktur und der üblichen Glasur von Steingut. Chemische Beständigkeit gegen Haushaltschemikalien wird für glasiertes Steingut mindestens in Klasse GB geprüft.
Wie werden Steingutfliesen hergestellt?
Steingut wird aus keramischen Rohstoffen wie Tonen, Quarz und weiteren Zuschlägen trocken gepresst und bei etwa 950 bis 1.150 Grad Celsius gebrannt. Häufig kommt das Einbrandverfahren Monoporosa zum Einsatz, bei dem die Glasur in einem Brennprozess mit dem Scherben gesintert wird. Alternativ ist Zweibrand möglich. Die resultierende Porosität erklärt die hohe Wasseraufnahme.
Einbrand- und Zweibrandverfahren im Überblick
Beim Einbrandverfahren wird die Glasur direkt auf den geformten, getrockneten Rohling aufgetragen und zusammen mit diesem gebrannt. Beim Zweibrand wird der Scherben zunächst ohne Glasur gebrannt und erst im zweiten Brand glasiert. Beide Verfahren sind etabliert, das Einbrandverfahren dominiert in der industriellen Serienfertigung von Steingut-Wandfliesen.
Wo kommen Steingutfliesen sinnvoll zum Einsatz?
Als klassischer Wandbelag bieten Steingutfliesen vielfältige Möglichkeiten für Gestaltung und Hygiene in Innenräumen. In Nasszonen wie Duschen und Badewannenbereichen ist zusätzlich eine Abdichtung des Untergrunds nach DIN 18534 erforderlich.
Typische Einsatzorte im Wohnbereich
Küchenrückwände, Waschbeckenwände, WC-Bereiche, Gäste-WCs, Hauswirtschaftsräume und Flure. In häuslichen Badezimmern sind Steingutfliesen an Wänden üblich, sofern der Untergrund normgerecht abgedichtet ist.
Nicht geeignete Bereiche
Nicht für Außenwände, Balkone, Terrassen oder frostgefährdete und stark mechanisch belastete Flächen. Für Bodenflächen mit hoher Beanspruchung werden andere Keramikarten verwendet.
Wie werden Steingutfliesen fachgerecht verlegt?
Für die Verlegung gelten die Regeln der Technik nach DIN 18157 im Dünnbettverfahren. Die Auswahl des Fliesenklebers erfolgt nach DIN EN 12004, typischerweise zementäre Dünnbettmörtel der Klassen C1 oder C2, je nach Untergrund, Format und Beanspruchung. Auf geeigneten, ebenen und tragfähigen Untergründen wird im Innenbereich überwiegend im Floating- oder Buttering-Floating-Verfahren gearbeitet.
Kleberwahl nach DIN EN 12004 und Verlegeverfahren nach DIN 18157
Für gängige Wandformate auf normalen, saugfähigen Untergründen sind C1-Dünnbettmörtel ausreichend. Bei größeren Formaten, kritischen Untergründen oder höheren Anforderungen werden flexible C2-Kleber mit erhöhter Haftfestigkeit und ggf. Verformbarkeit S1 eingesetzt. Die DIN 18157 beschreibt die Ausführung einschließlich Kontaktschicht, Zahnung der Kelle, Kleberauftrag und Fugenanordnung.
Abdichtung in Bad und Dusche nach DIN 18534
In Feucht- und Nassräumen sind Wandflächen je nach Wassereinwirkungsklasse mit flüssig zu verarbeitenden oder bahnenförmigen Verbundabdichtungen zu schützen. Die Norm DIN 18534 regelt Materialien, Schichtdickenkontrolle, Anschlüsse und Durchdringungen. In häuslichen Duschen werden typischerweise die Klassen W1-I bis W2-I relevant.
Fugenmörtel nach DIN EN 13888
Zum Verfugen kommen zementäre Fugenmörtel der Klasse CG2 WA oder Reaktionsharzfugenmörtel RG nach DIN EN 13888 zum Einsatz. Für saugende Steingutfliesen sind fein eingestellte, wasserabweisende CG2-Systeme praxisgerecht. Herstellerhinweise sind zu beachten.
Wie pflegt und reinigt man Steingutfliesen?
Die glasierten Oberflächen sind pflegeleicht. Übliche Haushaltsreiniger ohne Flusssäure sind geeignet. Die chemische Beständigkeit von glasierten Keramiken wird nach DIN EN ISO 10545-13 geprüft; glasiertes Steingut erreicht mindestens die Klasse GB für Haushaltschemikalien und Badezusätze. Scheuermittel mit abrasiver Wirkung sind zu vermeiden, um Glanz und Dekor zu erhalten.
Weiterführende Informationen in den verlinkten Norm- und Fachquellen:
- DIN EN 14411 Überblick
- Keramikfliese: Steingut
- DIN 18157-1 Dünnbettverfahren
- DIN 18534 Verbundabdichtungen
- Technische Eigenschaften Villeroy & Boch
Abgrenzung innerhalb der Keramik-Normen
Steingutfliesen sind normativ klar von anderen Keramikarten abgegrenzt: Steingut Gruppe BIII mit E > 10 Prozent, Steinzeug mit E ≤ 3 bis 6 oder 10 Prozent je Untergruppe, Feinsteinzeug mit E ≤ 0,5 Prozent. Diese Einordnung hilft bei der richtigen Materialwahl, insbesondere wenn Wand und Boden kombiniert gestaltet werden.