Was ist PEI beim Prüfverfahren & Verschleiß von Fliesen?

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Thomas Bratzke

Inhaber Fliesenfachbetrieb
Thomas Bratzke - Fliesenwünsche

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff PEI steht für Porcelain Enamel Institute und bezeichnet eine international verbreitete Einstufung des Oberflächenverschleißes glasierter Bodenfliesen. In Europa wird der PEI-Wert über die Norm DIN EN ISO 10545‑7 ermittelt und üblicherweise in Klassen 0 bis 5 angegeben. Die Angabe hilft, für jeden Einsatzbereich eine geeignete glasiert keramische Fliese auszuwählen. Weitere Informationen zum Institut finden Sie beim Porcelain Enamel Institute. In technischen Fachquellen wird die Einteilung der Abriebgruppen für glasierte Fliesen bestätigt.

Wie funktioniert der PEI‑Test bei Fliesen?

Der PEI‑Test nach EN ISO 10545‑7 prüft, wie viele Umdrehungen in einem Rotationsabriebverfahren nötig sind, bis an einer glasierten Fliese ein sichtbarer Oberflächenverschleiß einsetzt. Als Schleifmedium dient eine definierte Mischung aus Stahlkugeln, Korund und Wasser, die unter festgelegten Bedingungen über die Glasur geführt wird. In Nordamerika wird die Abriebprüfung vergleichbar nach ASTM C1027 durchgeführt, die in ANSI A137.1 referenziert ist.

Prüfprinzip und Klassifizierung nach PEI

Das Ergebnis wird in PEI‑Klassen eingeteilt: je höher die Klasse, desto höher die Verschleißbeständigkeit der Glasur und desto stärker die zulässige Nutzung. Hersteller geben häufig zusätzlich die Zahl der bestandenen Umdrehungen an. Typischer Praxisrahmen: Klasse 0 nur Wand, Klasse 1 sehr leichte Belastung, Klasse 2 leichte Nutzung, Klasse 3 normale Wohnnutzung, Klasse 4 anspruchsvolle Wohnbereiche und leichte bis mittlere Objektnutzung, Klasse 5 stark frequentierte Objektbereiche.

Welche PEI‑Klassen gibt es und wofür eignen sie sich?

Die Zuordnung orientiert sich an typischen Nutzungsszenarien und dem zu erwartenden Schmutzeintrag durch Schuhwerk. Für Deutschland sind die folgenden Einsatzempfehlungen verbreitet.

  • PEI 0: nur Wandbereiche
    Keine Begehung vorgesehen, ausschließlich als Wandfliese geeignet.
  • PEI 1: sehr leichte Beanspruchung
    Barfuß- oder Hausschuhbereiche wie Schlafzimmer oder private Bäder ohne Straßenschuhe.
  • PEI 2: leichte Beanspruchung
    Private Bäder, Gäste-WCs, wenig frequentierte Räume mit weichem Schuhwerk.
  • PEI 3: mittlere Beanspruchung
    Wohnräume, Flure in Wohnungen, Balkone mit normaler Nutzung.
  • PEI 4: stärkere Beanspruchung
    Küchen, Eingangsbereiche, Hausflure, Büros ohne Publikumsverkehr, leichte Objektbereiche.
  • PEI 5: starke Beanspruchung
    Öffentliche und stark frequentierte Zonen wie Läden, Restaurants, Schulen, Bahnhöfe.

Angabe von Umdrehungen in Herstellerdaten

Viele Datenblätter weisen neben der PEI‑Klasse auch die bestandenene Umdrehungen aus, etwa 750 bis 1.500 Umdrehungen für PEI 3, 2.100 bis 12.000 für PEI 4 und über 12.000 für PEI 5. Diese Angaben stammen aus der konkreten Laborprüfung des jeweiligen Produkts und unterstützen die Einordnung innerhalb einer Klasse. Beispiele finden sich in technischen Unterlagen verschiedener Hersteller.

Wann ist der PEI‑Wert nicht anwendbar?

Der PEI‑Test gilt ausschließlich für glasierte keramische Fliesen. Für unglasierte Feinsteinzeugfliesen wird die Verschleißbeständigkeit über den Tiefenverschleiß nach DIN EN ISO 10545‑6 in mm³ ermittelt. Naturstein erhält keinen PEI‑Wert.

Unglasierte Feinsteinzeugfliesen: Prüfung nach ISO 10545‑6

Bei unglasiertem Material misst die Norm den Materialabtrag unter definierten Bedingungen. Niedrigere mm³‑Werte bedeuten höhere Beständigkeit.

Naturstein und polierte Oberflächen

Da Naturstein nicht glasiert ist und polierte Oberflächen anders altern, werden hierfür keine PEI‑Klassen vergeben. Planung und Auswahl erfolgen anhand anderer Kennwerte und Herstellerempfehlungen.

Wie wähle ich als Kunde die richtige PEI‑Klasse aus?

Richten Sie die Auswahl an Raum, Nutzungshäufigkeit, Schmutzeintrag und Reinigungsregime aus. Für Eingänge, Küchen und Flure wird meist PEI 4 empfohlen, für stark publikumsoffene Bereiche PEI 5. In Zweifelsfällen geben Herstellerdatenblätter mit Angabe der Umdrehungen zusätzliche Sicherheit.

Praxis-Tipps für lange Haltbarkeit von Glasur und Optik

Verschleiß hängt nicht nur von der Klasse ab. Einfluss haben auch Benutzungsfrequenz, Schmutzeintrag, Art der mechanischen Beanspruchung, Härte und Dicke der Glasur, Glanzgrad sowie Farbe. Eingangsmatten, regelmäßige Reinigung und geeignete Möbelgleiter helfen, die Oberfläche zu schützen.

Welche Normen und Bezeichnungen gelten in Deutschland und Europa?

Für glasierte Fliesen ist EN ISO 10545‑7 maßgeblich, für unglasierte Fliesen EN ISO 10545‑6. Im deutschen Sprachraum werden die Ergebnisse als Abriebgruppen I bis V oder PEI 1 bis 5 kommuniziert. Normensteckbriefe und Fachbeiträge erläutern Verfahren und Einordnung.

Abgrenzung zu Rutschhemmung und anderen Prüfungen

Die PEI‑Klasse bewertet Abrieb, nicht die Rutschhemmung. Für Trittsicherheit gelten eigene Prüfverfahren und Einstufungen, in Deutschland aktuell nach DIN EN 16165 sowie den bekannten Gruppen R9 bis R13 und A bis C aus den früheren DIN‑Normen 51130 und 51097, die inhaltlich in EN 16165 überführt wurden. In Nordamerika wird die Oberflächenabriebfestigkeit zusätzlich über ASTM C1027 beschrieben.

Warum liest man teils „PEI 4“ und teils „Abriebgruppe IV“?

PEI ist der geläufige Branchenbegriff für die Abriebklassifizierung. In europäischen Produktdaten erscheinen oft die Begriffe Abriebgruppe oder Beanspruchungsgruppe nach EN ISO 10545‑7, die inhaltlich der PEI‑Einteilung entsprechen.