Was bedeutet Gabbro Naturstein bei Fliesen und im Fliesenleger-Handwerk?

cropped-Thomas-Bratzke_signatur.jpg

Thomas Bratzke

Inhaber Fliesenfachbetrieb
Thomas Bratzke - Fliesenwünsche

Inhaltsverzeichnis

Gabbro ist ein grobkörniges, dunkles magmatisches Tiefengestein (Plutonit) und das plutonische Pendant zu Basalt. Typisch sind grauschwarze bis schwarze Farbtöne mit Plagioklas-Feldspat und Pyroxenen; teils tritt Olivin hinzu. Im Natursteinhandel werden solche dunklen Plutonite häufig als „schwarzer Granit“ vermarktet, fachlich korrekt ist jedoch die Bezeichnung Gabbro.

Wie wird Gabbro nach Norm richtig bezeichnet?

In Europa schreibt die DIN EN 12440 „Naturstein – Kriterien für die Bezeichnung“ vor, dass neben dem Handelsnamen immer die wissenschaftliche Gesteinsbezeichnung (petrografische Familie) sowie Herkunftsangaben anzugeben sind. Damit sind pauschale Handelsnamen wie „schwarzer Granit“ ohne petrografische Präzisierung nicht normgerecht. Die aktuelle deutsche Fassung ist DIN EN 12440:2018-01.

Hintergrund: In der Praxis werden viele magmatische Hartgesteine (u. a. Gabbro, Diabas/Dolerit, Anorthosit) aus Leistungsgründen kommerziell der „Granit“-Gruppe zugerechnet. Wissenschaftlich bleiben sie jedoch eigenständige Gesteinsfamilien – entscheidend für korrekte Ausschreibung, Bemusterung und Pflegeempfehlungen.

Die petrographische Bestimmung erfolgt nach EN 12407; Begriffe und Klassifikation regelt EN 12670 (aktuelle Ausgabe 2019). DIN EN 12440 · EN 12407:2019 · DIN EN 12670:2019.

Welche Eigenschaften hat Gabbro als Natursteinbelag?

Gabbro zählt zu den sehr dichten, widerstandsfähigen Hartgesteinen: Rohdichte typ. ca. 2,7–3,0 g/cm³, Druckfestigkeit breit von ca. 80 bis 370 MPa (viele Bau- und Belagsgabbros ca. 200–300 MPa), Wasseraufnahme meist niedrig (ca. 0,1–1,0 M‑%). Einzelmaterialien können noch höhere Werte erreichen.

Für die Rutschhemmung ist nicht das Gestein, sondern die Oberfläche entscheidend. Die Prüfung erfolgt bei Naturstein nach EN 14231 (Pendeltester), die Anforderung ist projektspezifisch festzulegen.

Technische Kennwerte und gängige Sorten (Auswahl)

Im Alltag des Fliesenlegers begegnen Gabbros oft unter Handelsnamen wie Nero Impala (Südafrika), Belfast Black (Südafrika), Shanxi Black (China) oder Lagerstättennamen aus der Ukraine und Simbabwe; je nach Vorkommen variieren Kennwerte und Optik. Beispielhaft: Gabbro „Lugovoe“ mit Rohdichte ~2,98–3,05 g/cm³, Wasseraufnahme ~0,40 %, Druckfestigkeit ~240–288 MPa. Impala (Naturstein).

Worin unterscheidet sich Gabbro von Granit im Fliesenleger-Alltag?

Granit ist helleres, quarz- und feldspatreiches Tiefengestein; Gabbro ist quarzarm und dunkler (mehr mafische Minerale). Im Handel wird Gabbro oft als „schwarzer Granit“ beworben, fachlich korrekt ist er kein Granit. Für Ausschreibung, CE/Leistungserklärung und Pflege sollte die petrografische Bezeichnung verwendet werden.

Optisch-praktisch relevant: Polierte Beläge aus dunklem Gabbro können in hochfrequentierten Bereichen mit der Zeit Laufstraßen zeigen – eine sichtbare Glanzabnahme durch mikrofeine Kratzspuren. Das ist materialtypisch und tritt bei quarzarmen, dunklen Hartgesteinen eher auf als bei vielen hellen Graniten.

Wie wird Gabbro verlegt (Innenbereich/außen) – was ist zu beachten?

Für Naturstein-Bodenbeläge gelten die Produktnormen DIN EN 12057 (Fliesen ≤ 12 mm Dicke) und DIN EN 12058 (Bodenplatten/Stufen > 12 mm). Die Unterscheidung betrifft primär die Dicke; maßgeblich für die Planung sind außerdem Prüfwerte aus den EN‑Natursteinprüfnormen. DIN EN 12057:2015-05 · Fliese vs. Platte · DIN EN 12058 (Übersicht).

Zur Verlegung haben sich – abhängig von Format, Ebenheit und Untergrund – Dünn‑, Mittel‑ und Dickbettverfahren etabliert. Für hohlraumarme Natursteinbeläge empfiehlt sich das Buttering-Floating-Verfahren (Kleberauftrag auf Untergrund und Plattenrückseite), insbesondere bei großformatigen Elementen und bei Fußbodenheizung. Klassische Schichtdicken-Richtwerte: Dünnbett ~1–5 mm, Mittelbett ~5–15 mm, Dickbett ~15–40 mm; Angaben der Kleberhersteller sind maßgeblich. Buttering-Floating.

Geeignete Kleber, Fugen und Untergründe

Für Gabbro sind zementäre, kunststoffvergütete Kleber nach EN 12004 (z. B. C2 S1/S2) üblich; bei transluzenten Natursteinen sind weiße Kleber zu wählen. Fugenmörtel für Naturstein und weichmacherfreie Dichtstoffe vermeiden Verfärbungen. Die Ausführung im Dünnbett richtet sich zusätzlich nach DIN 18157. DIN 18157 (Übersicht).

Wie reinigt und pflegt man Gabbro fachgerecht?

Im Alltag genügen pH‑neutrale Reiniger. Bei polierten, dunklen Gabbros kann die Politur in Laufzonen mattieren; hier helfen schonende Unterhaltsreiniger und – bei Bedarf – Pflegeemulsionen/Poliermittel zur optischen Auffrischung.

Vorsicht beim Absäuern nach dem Verfugen: Zementschleierentferner auf Säurebasis dürfen nur auf säurebeständigen Belägen und nach Vorversuch eingesetzt werden. Bei dunklen Hartgesteinen kann es zu Glanzverlust oder Farbveränderungen kommen; Hersteller weisen teils explizit von der Anwendung ab. Alternative: säurefreie Grundreiniger und mechanische Unterstützung. Beispiel: Herstellerhinweise.

Rutschhemmung, Oberflächen und Außenbereich

Rutschhemmung wird projektspezifisch gefordert und nach EN 14231 ermittelt; bearbeitete Oberflächen (satiniert, geflammt, gebürstet) erhöhen die Griffigkeit gegenüber Politur – wichtig für Nass-/Außenbereiche. Bei Außenverwendung sind zusätzlich Normen wie EN 1341/1342/1343 und die jeweiligen Planungsrichtlinien zu berücksichtigen.

  • Typische Einsatzbereiche
    Boden- und Treppenbeläge innen, stark beanspruchte Gewerbeflächen, Küchenarbeitsplatten, Fassaden- und Außenbeläge (mit geeigneter Oberfläche und geprüfter Rutschhemmung).
  • Vorteile von Gabbro
    Hohe Druckfestigkeit, geringe Wasseraufnahme, sehr gute Frost- und Witterungsbeständigkeit, dunkle, homogene Optik für moderne Raumkonzepte.
  • Planung nach Norm
    Bezeichnung nach DIN EN 12440 (Handelsname + petrografische Familie + Herkunft), petrographische Prüfung nach EN 12407, Terminologie nach EN 12670. DIN EN 12440.
  • Verlegung
    Buttering-Floating für vollsatte Bettung; Wahl von Dünn‑/Mittel‑/Dickbett nach Format und Ebenheit; Fliese ≤ 12 mm nach EN 12057, Platte > 12 mm nach EN 12058. Verlegeprinzip.
  • Pflege
    pH‑neutrale Reiniger einsetzen; polierte dunkle Beläge können Laufstraßen zeigen – Pflegeemulsion/Politur zur optischen Auffrischung; bei Zementschleier nur nach Vorversuch und Materialfreigabe säurehaltige Reiniger nutzen. Herstellerhinweise.
  • Begriffe korrekt verwenden
    „Schwarzer Granit“ ist eine Handelsbezeichnung; fachlich korrekt sind Gabbro/Dolerit etc. – wichtig für Ausschreibung, CE/Leistungserklärung und Pflegeempfehlung. Erläuterung (NSI).

Welche Handelsnamen und Herkunftsgebiete sind bei Gabbro üblich?

Gebräuchliche Handelsbezeichnungen sind z. B. Nero Impala (Südafrika), Belfast Black (Südafrika), Shanxi Black (China) oder Nero Assoluto Z (Simbabwe; geologisch häufig doleritisch/mikrogabbrisch). Handelsnamen sind zu präzisieren (petrografische Familie + Herkunft) – am besten mit Laborbefund. Gabbro – Überblick · Impala.

Praxis-Tipp für Ausschreibungen und Bemusterung

Immer den Handelsnamen + petrografische Familie + Farbe + Herkunft angeben (z. B. „Nero Impala, Gabbro, dunkelgrau‑schwarz, Region Rustenburg/ZA“) und Leistungsmerkmale (z. B. Wasseraufnahme, Druckfestigkeit, Rutschhemmung nach EN 14231) abfordern. Das verhindert Fehl- oder Mischlieferungen und sorgt für planbare Pflege.